Noch finden wir oft ein Wissens- und ein Machtgefälle zwischen den Patienten und den professionell in der Psychiatrie Tätigen. Die Vorstellungswelt des Arztes ist geprägt von Symptomen und Zeichen, Untersuchungen, Techniken und Therapien mit Blick auf die krankmachenden Faktoren statt auf die Bedingungen, die Gesundheit fördern. Die Vorstellungswelt des Patienten hingegen beruht auf Ideen, Vermutungen, Erwartungen, Gefühlen oder Gedanken. Therapeuten sollten interessiert am Gegenüber sein, zuhören, akzeptieren und warten können, sich gegenseitig informieren, beraten und schulen. Therapeuten sollen Patienten beim Abwägen der individuellen Therapie Möglichkeiten und Entscheidungshilfen geben. Bei den Entscheidungen können vorbeugende-, diagnostische- oder behandelnde Maßnahmen im Mittelpunkt stehen.
Ziel ist die eigenständig informierte Entscheidung der Patienten. Die beiden Entscheider denken und handeln dann „auf Augenhöhe“. Das stärkt die Selbsthilfe und Eigenständigkeit der Patienten.
Langfristig können wir gut und eigenverantwortlich in gesunden Zeiten unser Wohlbefinden sorgen, um Krisen vorzubeugen. Anwendung medizinischen Wissens kann nicht ohne individuelle Abstimmung erfolgen. Die Patienten müssen sich das Handwerkszeug erarbeiten, um therapeutische Eingriffe auf ihre Wirksamkeit zu hinterfragen. Wissenschaftliche Ausführungen können dann gemeinsam kritisch bewertet, und wichtige Fragen mit dem Therapeuten geklärt werden. Die besten Heilungsaussichten bestehen, wenn die Patienten verstehen, was sie weshalb tun. Ihr Tun muss für sie selbst für handhabbar, und von Bedeutung sein. Patienten können so Eigenverantwortung im Rahmen der Möglichkeiten übernehmen, ohne sich zu überlasten.
