Die Behandlung der Bipolaren Störung ist – je nachdem, in welcher Phase der Erkrankung der Betroffene sich befindet – unterschiedlichen Zielen unterworfen. Folgende drei Therapiephasen werden unterschieden:
Die Akuttherapie umfasst eine medikamentöse und
psychotherapeutische Behandlung und unterscheidet zwischen der akuten
Bipolaren Manie und der akuten Bipolaren Depression. Während der akuten
Manie muss für eine möglichst stressarme Umgebung gesorgt und
schnellstmöglich der Schlaf-Wach-Rhythmus wiederhergestellt werden.
In der manischen, hypomanischen oder gemischten Krankheitsepisode ist
ein weiteres Ziel, die Einsicht in die Erkrankung wiederherzustellen.
Oft kann es notwendig sein, mehrere Medikamente einzunehmen. Dies ist
teilweise zu Beginn einer Phase notwendig, wenn z. B. psychomotorische
Erregung, Schlafstörungen, Suizidalität etc. im Vordergrund
stehen. Neben der medikamentösen Behandlung sollten psychoedukative
und andere Interventionen (Psychoedukation für Angehörige, Familiengespräche
etc.) angewendet werden. Bei der akuten bipolaren Depression können
auch andere biologische Behandlungen zur Anwendung kommen (z. B. Elektrokrampftherapie
oder Schlafentzugstherapie). Die Akuttherapie wird so lange fortgesetzt,
bis sich die akuten Symptome deutlich gebessert haben.
Bei der sich an die Akuttherapie anschließenden Erhaltungstherapie
geht es darum, den noch etwas instabilen Zustand des Betroffenen so weit
zu stabilisieren, dass es nicht zu einem direkten Rückfall kommt.
Ziel ist es, diesen stabilen Zustand für mindestens sechs bis zwölf Monate
zu erreichen. Die dazu angewandten Maßnahmen sind eine aufeinander
abgestimmte Kombination aus Psychotherapie und medikamentöser Behandlung.
Die Rückfallprophylaxe hat das Ziel, eine erneute
Phase der Erkrankung zu verhindern und den psychischen Zustand des Betroffenen
weiter zu stabilisieren. Sie beginnt, sobald sich die Stimmungslage des
Betroffenen wieder normalisiert und stabilisiert hat. Abhängig u. a.
von der Phasenanzahl und der Schwere der einzelnen Episoden wird empfohlen,
die medikamentöse Rückfallprophylaxe über einen Zeitraum
von zwei bis fünf Jahren fortzuführen. Manche Betroffenen müssen lebenslang
Medikamente einnehmen. Die möglicherweise schockierende Empfehlung
einer langfristigen medikamentösen Behandlung sollte ausführlich
diskutiert werden. Die Rezidivprophylaxe ist eine kombinierte psychotherapeutische
und medikamentöse Behandlung.
