Wenn sich Ihre Krise durch die stationäre Behandlung gebessert hat,
ist es wichtig, eine Entlassungsplanung durchzuführen. Diese ist
besonders wichtig, weil eine Gefahr für einen psychotischen Rückfall
genau dann besteht, weil man zu früh entlassen wird oder weil keine
ausreichende Nachsorge organisiert ist. Viele Menschen mit Psychose haben
damit, vor allem wenn sie das erste Mal behandelt werden, verständlicherweise
Schwierigkeiten. Hier benötigen Sie Unterstützung und eine gute
Kenntnis der Lage, so dass Sie bei Ihrer Entlassungsplanung aktiv mitarbeiten
können.
Auf den nächsten Seiten sollen folgende wichtige Fragen beantwortet
werden:
Eine psychische Stabilität ist immer relativ. Was für den einen kein Problem ist, kann für den anderen ein großes Problem sein. Psychische Stabilität bezieht sich nicht nur auf psychotische Symptome wie Stimmenhören, Wahnvorstellungen oder Denkstörungen, sondern auch auf andere Symptome, die bei Menschen mit Psychose häufig vorkommen, z. B. Ängste, depressive Stimmungslagen, Anspannung oder Gedanken, sich etwas anzutun. Denken Sie daran, dass im Alltag nach der Entlassung wieder größere Belastungen auf Sie zukommen werden und die verbleibenden Symptome darunter mehr werden können.
Nachfolgend finden Sie drei Skalen, anhand derer Sie einschätzen können, wie stabil Sie psychisch gerade sind. Wenn Sie in den Skalen „Wie schwer schätzen Sie Ihre heutige Psychose ein?“ oder „Wie schwer schätzen Sie Ihre heutige Depression ein?“ oder „Wie schwer schätzen Sie Ihre heutigen Ängste ein?“ einen Wert zwischen 5 und 10 angekreuzt haben oder wenn Sie in dem Fragenbogen zur Subjektiven Befindlichkeit einen Wert von 60 Punkten oder weniger haben, sprechen Sie mit Ihren Therapeuten, ob der richtige Zeitpunkt für die Entlassung schon gekommen ist.
Wichtig ist auch, ob Sie schon die Gelegenheit hatten, Ihre psychische Stabilität zu Hause zu testen, z. B. bei Tagesbesuchen oder bei Übernachtungen zu Hause. Wenn dies bis jetzt noch nicht geschehen ist oder Sie sich das noch nicht zutrauen, sprechen Sie mit Ihren Therapeuten, ob ein erster Belastungsurlaub schon geplant ist oder wann Sie ihn versuchen könnten.
Denken Sie auch daran, dass psychische Stabilität sehr von der Tagesform abhängt. Verlieren Sie nicht den Mut, wenn Sie einmal einen schlechten Tag haben, der nächste gute kommt bestimmt.
Menschen mit Psychosen haben durchschnittlich ein höheres Risiko, körperliche Erkrankungen zu bekommen. Dazu zählen insbesondere:
Fragen Sie Ihren Arzt, ob es bei Ihnen einen Grund gibt, diese Erkrankungen abklären zu müssen (z. B. bei Übergewicht), und wenn ja, ob sie schon abgeklärt wurden. Weisen Sie Ihren Arzt insbesondere darauf hin, wenn Sie unter Einahme Ihres Medikaments gemerkt haben, dass Sie mehr essen oder sogar schon an Gewicht zugenommen haben. Falls eine zusätzliche körperliche Erkrankung bei Ihnen diagnostiziert wurde, besprechen Sie mit dem Arzt medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten und lassen Sie sich zu einem weiterbehandelnden niedergelassenen Arzt überweisen. Falls es sich um schwierige medizinische Probleme handelt, lassen Sie sich immer zu einem Spezialisten überweisen. Besprechen Sie auch, ob es alternative Behandlungsansätze gibt, z. B. Gruppenprogramme zur Gewichtskontrolle, Sport- oder Bewegungsgruppen, Diätberatung etc. Nehmen Sie das Problem ernst, bevor es zum ernsten Problem wird!
Menschen mit Psychosen haben häufig soziale Probleme. Dazu zählen u. a.:
Dementsprechend ist eine wichtige Aufgabe psychosozialer Hilfen, Ihnen und Ihrer Familie den Zugang zum Versorgungssystem im psychiatrisch-psychotherapeutischen und allgemeinmedizinischen und rehabilitativen Bereich zu ermöglichen.
Denken Sie daran, dass Sie alle wichtigen sozialen Probleme, und erscheinen sie Ihnen auch noch so schwierig oder noch so unangenehm, mit dem Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen durchsprechen können, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Jedes ungelöste soziale Problem kann Sie in einen größeren Stress bringen, der wiederum mit einer höheren Gefahr eines psychotischen Rückfalls verbunden ist. Fragen Sie nach weiterführenden sozialen Hilfen, da sich viele dieser Probleme (z. B. finanzielle Probleme) nicht von einem auf den anderen Tag lösen lassen.
Noch immer besteht ein deutlicher Unterschied zwischen dem bestehenden Wissen über Psychosen und dem Wissen, dass Menschen mit Psychose und ihren Familien vermittelt wird.
