Wenn eine Psychose vor allem eine tiefe Verunsicherung bedeutet, dann
gehört es zur wesentlichen Aufgabe von Therapie, zu beruhigen, die
mögliche Reizüberflutung zu begrenzen und atmosphärische
Bedingungen zu schaffen, die eine Besinnung ermöglichen.
Dazu gehört dann auch, möglichst schnell eine persönliche
therapeutische Beziehung zu etablieren, die bei der individuellen Orientierung
wirksam helfen kann – durch die Spiegelung von Gefühlen,
die Begrenzung von Verlorenheit und das langsame Erarbeiten von Souveränität.
Um die Reizüberflutung zu begrenzen, sind auch Psychopharmaka hilfreich.
Doch ist vor allem die „Chemie" der therapeutischen Beziehung
wichtig, deren Kontinuität und Flexibilität spielt eine Rolle,
mehr noch als die angewandte Technik. Die therapeutische Beziehung ist
die Basis der Medikation, nicht umgekehrt. Das gilt umso mehr, als die
Psychose immer auch ein verzweifeltes Ringen um Autonomie signalisiert
und das Fördern dieser Autonomie in einer haltenden Beziehung und
im Kontext der Familie und der sozialen Beziehungen also zum Wesen der
Psychosetherapie gehört.
Insofern macht es keinen Sinn, Krankheitseinsicht als Vorleistung zu betrachten
und Compliance im Sinne einer Bereitschaft zur Kooperation als Unterwerfungsritual
zu verlangen. Krankheitseinsicht ist zunächst einmal Aufgabe des
Therapeuten, nicht abstrakt, sondern ganz konkret: Was hat diesen Menschen
zu diesem Zeitpunkt und unter welchen Umständen dazu gebracht, psychotisch
zu reagieren? Auf dieser Basis kann dann Kooperation wachsen –
nicht einseitig, sondern gemeinsam ringend um den passenden Weg, vorsichtig
balancierend zwischen Nähe und Distanz, Anpassung und Widerstand.
Zur Therapie von Psychosen stehen eine Vielzahl von Möglichkeiten
zur Verfügung. Wichtig ist, dass diese Therapien nach den individuellen
Bedürfnissen des Betroffenen und seiner Familie aufeinander abgestimmt
sind, also „integriert“ werden. Folgende häufig angewendete
Therapien stehen zur Verfügung:
Generell ist es wichtig, dass die Therapien so bald wie möglich
begonnen werden sollten. Das gilt für die erste Psychose wie auch
im Falle einer erneuten psychotischen Episode, also bei einem Rückfall.
Die medikamentöse Therapie wird zumeist in Kombination mit psychologischen,
sozialen und/oder anderen Therapien angewendet.
Auf den folgenden Seiten bekommen Sie einen Überblick über die
wichtigsten medikamentösen und psychosozialen Therapien. Informieren
Sie sich gut, so dass Sie zukünftig mitentscheiden können.
