Psychoseseminare oder Trialogforen zielen auf den wechselseitigen Erfahrungsaustausch
und die gegenseitige Fortbildung von Psychiatrieerfahrenen, Angehörigen
und Therapeuten. Die sehr verschiedenen subjektiven Erfahrungen stehen
im Vordergrund. Die Begegnung als Experten soll Selbstbewusstsein stärken,
Vorurteile abbauen, eine gemeinsame Sprache fördern und den Dialog
üben – auch bezogen auf den psychiatrischen Alltag.
Gerade ohne eine unmittelbare Änderungsabsicht haben sich diese Foren
als therapeutisch sehr wirksam erwiesen. Insbesondere die Begegnung von Erfahrenen
und Angehörigen ohne gemeinsame Geschichte und Verflechtung ermöglicht
besseres Zuhören und neue Erkenntnisse. Und Therapeuten können
in diesem eher herrschaftsfreien Diskurs ihr Krankheitskonzept erweitern
und mehr Gelassenheit lernen.
1989 wurden die Psychoseseminare von Dorothea Buck, der Ehrenvorsitzenden
des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrene, und Thomas Bock gegründet.
Seither haben sie sich rasch verbreitet; heute gibt es sie in fast jeder
größeren Stadt in Deutschland, aber auch in Österreich
und in der Schweiz.
Trialogforen gibt es inzwischen auch für andere Diagnosegruppen
(insbes. mit Bipolar- und Borderline-Erfahrenen und ihren Angehörigen).
Außerdem wirkt der Trialog inzwischen nicht nur auf Seminarebene,
sondern auch in den Alltag hinein (gemeinsame Behandlungskonferenzen bei Ersterkrankten
oder Behandlungsvereinbarungen bei Erfahrenen) und auf eher psychiatrie-politischer
Ebene (Beschwerdezentren, Planungsgruppen, Qualitätssicherung und
Fortbildung). An einigen Orten erwuchsen aus Psychoseseminaren trialogische
Antistigma-Projekte (www.irremenschlich.de);
der Abbau wechselseitiger Vorurteile beflügelt die gemeinsame Arbeit
gegen öffentliche Zerrbilder.
| Psychoseseminare | Psychoedukation | |
|---|---|---|
| Teilnehmer: | Trialog | Schizophrene Patienten |
| Inhalt: | Geschichten, subjektive Perspektive | Wissen, allg. Psychoseverständnis |
| Ziel: | Empowerment | Compliance |
| Lernen: | Wechselseitig | Einseitig |
| Themen: | Gemeinsam | Ärztlich definiert |
| Rollen: | Offen | Traditionell |
| Sprache: | Allgemein | Klinisch? |
| Anonymität: | Möglich | Unüblich |
| Teilnahme: | Selbstbestimmt | Indikation |
