Psychiatrische Krankenhäuser und psychiatrische Abteilungen in allgemeinen
Krankenhäusern sind zumeist „sektorisiert”, d. h., sie
sind grundsätzlich verpflichtet, alle Menschen einer bestimmten,
klar definierten Region zu versorgen. Lange Zeit wurde Krankenhausbehandlung
mit Bettenbehandlung gleichgesetzt. Doch inzwischen gibt es fast überall
Tageskliniken und immer mehr ambulante Behandlungsangebote, die
sog. Institutsambulanzen.
Früher ging man davon aus, dass schwerkranke Patienten stationär
und leichter erkrankte ambulant zu versorgen seien. Inzwischen kann man manchmal
den Eindruck gewinnen, dass Gegenteil sei der Fall. Jedenfalls sind manche
sehr eigensinnige Patienten nahezu nie in stationärer Behandlung
und auch die längerfristig Psychosebetroffenen verbringen die allermeiste
Zeit außerhalb der Klinik.
Manche Kliniken haben spezialisierte, andere gemischte Stationen und ambulante
Versorgungseinheiten. Beides hat Vor- und Nachteile. Letztendlich zählt
die Spezialisierung für den konkreten Patienten und seine Familie in seinem
unmittelbaren Lebensumfeld.
Die sog. „geschlossene Station” ist an vielen Orten
längst ein Auslaufmodell; denn zu viel Unruhe an einem Ort zu sammeln,
tut niemandem gut. Besser hat sich bewährt, wenn die verschiedenen
regional zuständigen Stationen bei Bedarf die Tür schließen
– und das auch nur so lange wie unbedingt notwendig. Je mehr Stationen
lernen, auch atmosphärisch „abzurüsten” und für
Entspannung zu sorgen, desto seltener ist das jedoch überhaupt notwendig.
Kliniken haben den Vorteil, dass sie ein multiprofessionelles Team anbieten
können: Ärzte, Krankenpflegekräfte, Sozialpädagogen,
Psychologen/Psychotherapeuten, Ergotherapeuten und andere Berufsgruppen,
die einem sehr verschiedenen gesunden und kranken Anteilen der unterschiedlichen
Patienten gerecht werden sollen. Die größte Herausforderung
in der Zukunft wird dabei sein, eine übergreifende Kontinuität
herzustellen, d. h. dass möglichst derselbe Therapeut durchgehend für die
ambulante und (teil)stationäre Behandlung zuständig ist, so dass beidseitig viel
mehr Vertrauen entstehen kann und die sonst häufigen Beziehungsbrüche
vermieden werden können.
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