Psychosen und Bipolare Störungen früh erkennen
Welche Therapien kann ich in Anspruch nehmen?
Die Therapie hat das Ziel, dass Sie sich so schnell wie möglich
wieder „normal” fühlen, also keine psychischen Beschwerden
mehr haben, und Ihren gewünschten Tätigkeiten wieder ohne Probleme
nachgehen können. Dies ist bei den meisten Betroffenen nicht innerhalb
von einigen Tagen möglich. Sie sollten also damit rechnen, dass
Sie für eine gewisse Zeit Hilfe in Anspruch nehmen müssen.
Die Art der Therapie richtet sich nach Ihrer individuellen Problemlage
und Ihren Lebensumständen und wird mit Ihnen und ggf. mit
Ihrer Familie gemeinsam abgestimmt und besprochen. Verständlicherweise
gibt es nicht „die” Therapie, sondern verschiedene Therapien,
die nach Ihren individuellen Bedürfnissen für Sie persönlich
zusammengestellt und kombiniert werden. Diese werden zumeist alle im ambulanten
Bereich angeboten, manchmal aber auch in speziellen Tageskliniken für
Jugendliche und junge Erwachsene. Auf jeden Fall erhalten Sie eine Beratung
über mögliche weiterführende Therapien. Mögliche Therapieformen
und -inhalte für Menschen mit Psychoserisiko sind nachfolgend zusammengefasst.
Formen und Inhalte der möglichen Therapie
Aufklärung / Psychoedukation
- Für manche bieten Unterrichtseinheiten in Schulen (z. B. von „Irre
menschlich Hamburg“) eine erste Orientierung oder der Besuch des Psychoseseminars.
Oder es lohnt sich der Besuch einer Psychoedukation
- im Zweifel gemeinsam mit Angehörigen.
Psychotherapie
- In Zeiten starker Verunsicherung kann psychotherapeutische Hilfe nötig sein, damit der Betroffene sich wieder orientieren und finden kann. Wichtig ist die persönliche Passung. Je nach Ausrichtung überwiegen kognitive, handlungsorientierte Strategien (Kognitive Verhaltenstherapie), biografisches Verstehen und emotionales Aufarbeiten von Konflikten (psychodynamische Verfahren) oder das gemeinsame Ringen um Verständnis und bessere Konfliktlösungsstrategien (Familientherapie).
- Falls eine gleichzeitige Suchterkrankung besteht, sollten Sie an einer
speziellen Suchttherapie teilnehmen. Diese kann in
einer Gruppe oder einzeln stattfinden. Diese stellt eine absolute Notwendigkeit
zur Verbesserung der Prognose dar!
Psychologische Trainingsprogramme
- Viele Betroffene berichten über sog. kognitive Probleme, d. h.
Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, Schwierigkeiten
aufmerksam zu sein etc. Zur Verbesserung dieser Probleme gibt es spezielle
Trainingsprogramme, z. B. das sog. „Metakognitive Training”.
- Zur Verbesserung sozialer Kompetenzen, d. h. zur Selbstbewusstseinsstärkung
in sozialen Situationen existiert das sog. „Soziale Kompetenztraining”.
Pharmakologische Intervention
- Pharmakologische Behandlungen werden nach den vorherrschenden Symptomen
eingesetzt: Antidepressiva für Depression und
Antipsychotika für Hoch-Risiko-Patienten mit bereits
abgeschwächten psychotischen Symptomen. Die Entscheidung wird zusammen
mit dem Betroffenen nach einer ausführlichen Aufklärung gefällt.
Berufliche Rehabilitation
- Einige Betroffene haben schon berufliche Probleme,
bevor sie das erste Mal in eine Therapie kommen, d. h., sie gehen nicht
mehr oder nur sporadisch zur Schule oder haben Probleme in Ausbildung
und Beruf. Dementsprechend ist es notwendig, Hilfen vor Ort anzubieten.
Soziale Maßnahmen
- Einige Betroffene haben schon Probleme mit Finanzen oder in
ihren Wohnverhältnissen, so dass auch hier eine Unterstützung
notwendig ist.
Zuhausebehandlung („Assertive Community
Treatment”, ACT)
- Manche Betroffene haben im frühen Stadium Probleme,
Hilfe anzunehmen. Hierzu existieren sog. Assertive Community
Treatment Teams, die eine Behandlung auch im eigenen Umfeld
anbieten können.
Angehörigenarbeit
- Angehörigenarbeit ist bei Betroffenen mit Psychoserisiko besonders
wichtig, da Angehörige genauso über Psychosen informiert werden
müssen wie die Betroffenen selbst. Ihnen sollten auch die Teilnahme
an Angehörigengruppen und der Kontakt zu Angehörigenverbänden
empfohlen werden.