Vulnerabilität bedeutet Dünnhäutigkeit, Sensibilität,
aber auch Verletzlichkeit. In diesem Zusammenhang kann auch – meist unspezifisch
– das Risiko wachsen psychisch zu erkranken. Menschen mit einer erhöhten
Vulnerabilität können in belastenden Lebensabschnitten mit psychotischen
Symptomen reagieren. Die Anfälligkeit besteht bei jedem Menschen, ist
aber möglicherweise erhöht, wenn ein oder mehrere
„Vulnerabilitätsfaktoren” bestehen.
Vulnerabilitätsfaktoren sind z. B. eine genetische Belastung, wenn
einer Ihrer nahen Angehörigen eine Psychose oder eine Bipolaren Störung
hat; ein niedriger IQ, wenn Sie eine Verletzung oder schwere Infektion
des Gehirns hinter sich haben; wenn Sie vor dem 15. Lebensjahr begonnen
haben, Cannabis zu rauchen, oder wenn bei Ihnen Schwangerschafts- oder
Geburtskomplikationen bestanden.
Jeder Mensch durchläuft in seinem Leben stabile und weniger stabile
Phasen, also Zeiten, in denen sich wenig verändert, und andere, in
denen er neue Koordinaten finden und sich neu „verorten“ muss.
Umbruchphasen sind z. B. Pubertät, Schulabschluss, Bindung an einen
Partner, Geburt eines Kindes, Verlust eines nahestehenden Menschen, Verlust
von Arbeit, Trennung usw. Wenn dann noch aktuelle Belastungen hinzukommen,
kann für sehr dünnhäutige Menschen die Wahrscheinlichkeit zunehmen,
psychotisch zu reagieren. Trotzdem kann durch die schützende
Wirkung anderer Faktoren (z. B. gute soziale Einbindung, gutes Funktionsniveau,
gute Bewältigungsfähigkeiten) der Ausbruch der Psychose ausbleiben,
so dass eine Erkrankung nicht unausweichlich ist.
Da Krisen in diesem Sinne nicht wirklich zu vermeiden sind, ist es für
sensible Menschen besonders wichtig, eigene, familiäre und
soziale Ressourcen zu pflegen und ihr Repertoire an Entspannungs- und
Bewältigungsstrategien auszubauen.
