Bevor Sie auf den folgenden Seiten über die Früherkennung von Psychosen oder Bipolaren Störungen informiert werden, möchten wir Ihnen erklären, was Psychosen oder Bipolaren Störungen eigentlich sind und welche typischen Symptome bei diesen Erkrankungen vorkommen (siehe auch Kap. Verständnis).
Psychosen können abhängig vom Lebenskontext des Betroffenen sehr verschiedene Formen annehmen. Gemeinsamer Nenner ist, dass die Realität verändert wahrgenommen und verarbeitet wird. Was in großer Bedrängnis ein Schutzmechanismus sein kann, kann eine Eigendynamik entfalten und dann selbst zum Problem werden: Psychotische Symptome sind z. B. akustische oder optische Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder Veränderung des Denkens. Betroffene hören z. B. Stimmen, fühlen sich unrealistisch bedroht, verfolgt oder kontrolliert, stellen unrealistische Zusammenhänge zwischen Erlebnissen und ihrer Person her, denken, dass sie die Gedanken anderer Menschen „lesen“ können, oder berichten, dass ihre Gedanken nicht mehr so strukturiert und geordnet sind, wie sie es von sich kennen. Häufig erscheint auch ihr Verhalten verändert, sie sind nicht mehr so leistungsfähig wie früher und ziehen sich von Freunden und Familie zurück.
Alle Menschen kennen Stimmungsschwankungen. Es gibt Tage, an denen man
sich in niedergedrückter Stimmung befindet, an denen alles anstrengend
erscheint und das Selbstbewusstsein „angeknackst“ ist. In
Zeiten, in denen man z. B. verliebt ist, fühlt man sich dagegen beschwingt
und euphorisch, alles geht einem in unbeschwerter und heiterer Stimmung
leicht von der Hand.
Bei der bipolaren oder auch manisch-depressiven Erkrankung gehen diese
Stimmungsschwankungen weit über das normale Maß hinaus und
sind unabhängig von den Lebensumständen. Die Stimmungsschwankungen
reichen von schwer depressiv bis schwer manisch mit allen dazwischenliegenden
Ausprägungen. Symptome der Manie sind z. B. ein intensives Hochgefühl
und Selbstbewusstsein, eine deutlich gesteigerte Leistungsfähigkeit,
ein vermindertes Schlafbedürfnis bis hin zur Schlaflosigkeit, Distanzlosigkeit
oder Rededrang im Umgang mit anderen Menschen. Symptome der Depression
sind dagegen ein gesteigertes Gefühl der Traurigkeit, Antriebslosigkeit,
Interesselosigkeit an Dingen, die normalerweise Freude machen, Neigung
zum ständigen Grübeln, pessimistische Zukunftsgedanken, Durchschlafstörungen,
frühmorgendliches Erwachen oder ein gesteigertes Schlafbedürfnis.
Die Betroffenen fühlen sich ihren Stimmungsschwankungen ausgeliefert
und empfinden diese vor allem in der Anfangsphase der Erkrankung als nur
schwer zu beeinflussen. Die wiederholt auftretenden manisch-depressiven
Phasen führen oft zu beträchtlichem Leid, sowohl bei den Betroffenen
selbst, als auch bei den Menschen in ihrer Umgebung.
