Psychosen oder Bipolare Störungen treten in fast allen Fällen
nicht abrupt auf, sondern beginnen allmählich, langsam und schleichend.
Vor Beginn der ersten psychotischen Symptome bestehen zumeist über
mehrere Jahre psychische und soziale Veränderungen wie Depression,
Ängstlichkeit oder sozialer Rückzug. Der meist noch junge Mensch
verhält sich „irgendwie merkwürdig“, er ist „einfach
nicht mehr der alte“. Oft wird auch zunehmend deutlich, dass er
seine bisherigen Rollen in Schule, Beruf, Partnerschaft und Familie nicht
mehr erfüllen kann – es kommt zu einem sog. „Knick in der Lebenslinie“.
Leider kommen viele Betroffene erst mit großer Verzögerung
in eine spezialisierte Behandlung. Im Durchschnitt verstreichen zwei
bis fünf Jahre vom Beginn der ersten Symptome bis zur ersten Behandlung.
Alle diese Gründe sind nicht unverständlich. Normale und besondere
Entwicklungskrisen sind nicht völlig zu trennen. Manche Menschen
entwickeln sich auch ohne spezielle Hilfen beeindruckend. Und die Psychiatrie
ist an den noch vorhandenen Vorurteilen nicht ganz unschuldig.
Dass Sie sich so früh wie möglich um eine angemessene Hilfe kümmern sollten, hat den Grund, dass ein verzögerter Behandlungsbeginn mit zahlreichen Konsequenzen verbunden sein kann – für die Erkrankung, für die eigene Lebensperspektive und für die Belastung der Familie. Wichtig zu verstehen ist aber, dass trotz dieser Konsequenzen der Behandlungserfolg maßgeblich durch andere Faktoren bestimmt wird, v. a. auch die Bereitschaft, an der Behandlung teilzunehmen. Auch nach langer Zeit ohne Behandlung kann Hilfe erfolgreich sein. Zu spät ist es für eine Behandlung nie. Um die Wege leichter zu machen, wünschen wir uns mehr Flexibilität – auf Seiten der Behandelnden.
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